
Der Leiter der Intensivstation erklärte ihr am Bett ihres Bruders, er bekomme nichts mehr mit. Das Monitoring schlage nur wegen vegetativer Reaktionen an. Er sei nur noch eine leere Hülle und werde diesen Zustand nicht lange überleben. Statt über Therapie oder Rehabilitation zu sprechen, sollte sie ihn nach Hause holen oder in ein Pflegeheim zum Sterben geben.
Die Schwester erlebte jedoch etwas anderes. Immer wenn sie ins Zimmer kam, reagierte das Monitoring. Eine Pflegekraft widersprach später sogar der düsteren Einschätzung ihres Vorgesetzten. Für die Schwester begann damit ein Kampf gegen eine Prognose, die bereits wie ein Urteil wirkte.
Stundenlang telefonierte sie mit Selbsthilfeorganisationen, suchte Informationen und lernte andere Wege kennen. Als sie eine Verlegung in die Rehabilitation verlangte, wurde sie abgewiesen. Dennoch blieb sie hartnäckig.
Wenig später saß ihr Bruder in einer anderen Klinik aufrecht im Bett, schaute sie an, lächelte und bewegte die Lippen. Ein Pfleger begrüßte sie mit den Worten, dass er aufgewacht sei. Aus dem Menschen, dem man jede Chance abgesprochen hatte, wurde ein Patient, der auf seine Umwelt reagierte und noch viele Jahre lebte.
Für die Klinik schien sein Weg bereits beendet. Für seine Schwester begann er erst. Sie begleitete ihn weitere 24 Jahre durch Reha, Pflege und Krankheit.
Das Pflaster



DIE WUNDEN HINTER DER GESCHICHTE
Man hatte ihn aufgegeben. Seine Schwester nicht.
Als ihr Bruder nach einem Ertrinkungsunfall mit schwerer Hirnschädigung auf der Intensivstation lag, hörte seine Schwester Sätze, die sie nie vergessen sollte.
Zum KampagnenberichtIn die Reha kommt man nur aufrechten Fußes
Während andere ihren Bruder bereits als Sterbenden betrachteten, suchte seine Schwester nach einer Klinik, die ihm noch eine Chance geben würde.
Zum KampagnenberichtAuf dem Papier versorgt, in der Realität ohne Platz
Kaum war eine Station geschafft, stand die Schwester vor der nächsten Frage: Wohin kann ihr Bruder jetzt?
Zum KampagnenberichtVier Stunden jeden Tag
Als niemand ihr sagen konnte, wie es weitergehen sollte, begann die Schwester selbst Antworten zu suchen.
Zum KampagnenberichtHeute hätte er dort keinen Platz mehr
Erst nach langen Kämpfen fand der Bruder einen Ort, an dem Förderung und Pflege zusammenkommen konnten.
Zum KampagnenberichtDreißig Jahre Selbsthilfe – und die Sorge wächst
Nach 24 Jahren Begleitung ihres Bruders und jahrzehntelanger Selbsthilfearbeit zieht die Schwester eine bittere Bilanz.
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