
Nach vielen Telefonaten mit Selbsthilfeorganisationen trat die Schwester erneut an den behandelnden Arzt heran. Sie bat darum, ihren Bruder in eine Rehaklinik zu verlegen. Die Antwort fiel laut und ungehalten aus. Ihr Bruder habe keine Chance, erklärte der Arzt. Sie blockiere nur ein Intensivbett.
Trotzdem gab sie nicht auf. Sie verlangte eine schriftliche Epikrise, beschaffte sich selbst Listen möglicher Einrichtungen und begann, Rehakliniken anzurufen. Unterstützung erhielt sie von engagierten Menschen aus der Selbsthilfe, die ihr Informationen und Kontakte vermittelten.
Schließlich nahm eine neu gegründete Einrichtung in Alzey ihren Bruder auf. Der Weg dorthin war jedoch nur der Anfang. Nach einer schweren Lungenentzündung musste erneut nach Krankenhäusern und Behandlungsplätzen gesucht werden. Selbst die Rückaufnahme in das ursprüngliche Krankenhaus wurde verweigert.
Der Zugang zur Rehabilitation hing damit nicht allein vom medizinischen Bedarf ab. Entscheidend war, dass eine Angehörige bereit war, sich gegen Ablehnung, Zweifel und bürokratische Hürden zu stellen.
Nicht die Versorgung öffnete die Tür zur Reha. Die Schwester musste sie selbst aufstoßen.
Das Pflaster



DIE WUNDEN HINTER DER GESCHICHTE
Man hatte ihn aufgegeben. Seine Schwester nicht.
Als ihr Bruder nach einem Ertrinkungsunfall mit schwerer Hirnschädigung auf der Intensivstation lag, hörte seine Schwester Sätze, die sie nie vergessen sollte.
Zum KampagnenberichtIn die Reha kommt man nur aufrechten Fußes
Während andere ihren Bruder bereits als Sterbenden betrachteten, suchte seine Schwester nach einer Klinik, die ihm noch eine Chance geben würde.
Zum KampagnenberichtAuf dem Papier versorgt, in der Realität ohne Platz
Kaum war eine Station geschafft, stand die Schwester vor der nächsten Frage: Wohin kann ihr Bruder jetzt?
Zum KampagnenberichtVier Stunden jeden Tag
Als niemand ihr sagen konnte, wie es weitergehen sollte, begann die Schwester selbst Antworten zu suchen.
Zum KampagnenberichtHeute hätte er dort keinen Platz mehr
Erst nach langen Kämpfen fand der Bruder einen Ort, an dem Förderung und Pflege zusammenkommen konnten.
Zum KampagnenberichtDreißig Jahre Selbsthilfe – und die Sorge wächst
Nach 24 Jahren Begleitung ihres Bruders und jahrzehntelanger Selbsthilfearbeit zieht die Schwester eine bittere Bilanz.
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