
Ihr Bruder überlebte weit länger als viele erwartet hatten. Er durchlief Intensivstationen, Rehakliniken und spezialisierte Pflegeeinrichtungen. Die Schwester kämpfte um Behandlungsplätze, lernte therapeutische Methoden und begleitete ihn über Jahrzehnte.
2019 starb ihr Bruder. Die Erfahrungen aus dieser langen Zeit verschwanden damit nicht. Stattdessen blieb die Erinnerung an unzählige Situationen, in denen Angehörige selbst Lösungen finden mussten, weil Strukturen fehlten oder nicht erreichbar waren.
2025 erfuhr sie von der Auflösung der NeuroReha, in der ihr Bruder viele Jahre gelebt hatte. Für sie steht diese Entwicklung stellvertretend für eine Versorgung, die aus ihrer Sicht nicht stärker geworden ist.
Nach dreißig Jahren Selbsthilfearbeit stellt sie die Frage, was sich tatsächlich verbessert hat. Ihre Antwort fällt ernüchternd aus. Während technische Möglichkeiten wachsen, sieht sie die Gefahr, dass menschliche Zuwendung, Förderung und Zeit für die Betroffenen knapper werden.
Am Ende denkt sie an die Angehörigen, Freunde und Unterstützer, die sich täglich bemühen, schwer hirnverletzten Menschen Lebensqualität zu ermöglichen – oft bis an die Grenzen der eigenen Kraft.
Das Pflaster



DIE WUNDEN HINTER DER GESCHICHTE
Man hatte ihn aufgegeben. Seine Schwester nicht.
Als ihr Bruder nach einem Ertrinkungsunfall mit schwerer Hirnschädigung auf der Intensivstation lag, hörte seine Schwester Sätze, die sie nie vergessen sollte.
Zum KampagnenberichtIn die Reha kommt man nur aufrechten Fußes
Während andere ihren Bruder bereits als Sterbenden betrachteten, suchte seine Schwester nach einer Klinik, die ihm noch eine Chance geben würde.
Zum KampagnenberichtAuf dem Papier versorgt, in der Realität ohne Platz
Kaum war eine Station geschafft, stand die Schwester vor der nächsten Frage: Wohin kann ihr Bruder jetzt?
Zum KampagnenberichtVier Stunden jeden Tag
Als niemand ihr sagen konnte, wie es weitergehen sollte, begann die Schwester selbst Antworten zu suchen.
Zum KampagnenberichtHeute hätte er dort keinen Platz mehr
Erst nach langen Kämpfen fand der Bruder einen Ort, an dem Förderung und Pflege zusammenkommen konnten.
Zum KampagnenberichtDreißig Jahre Selbsthilfe – und die Sorge wächst
Nach 24 Jahren Begleitung ihres Bruders und jahrzehntelanger Selbsthilfearbeit zieht die Schwester eine bittere Bilanz.
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