
Die Versorgung ihres Bruders organisierte sie über viele Jahre weitgehend selbst. Sie telefonierte mit Selbsthilfegruppen, suchte Kliniken, beschaffte Informationen und koordinierte Verlegungen. Was andere als Case-Management bezeichnen würden, übernahm sie als Angehörige.
Später besuchte sie Seminare, lernte Wahrnehmungsübungen und entwickelte gemeinsam mit ihrem Bruder eine eigene Form der Verständigung. Sie beobachtete seine Reaktionen genau, erkannte Veränderungen und vermittelte ihr Wissen an Pflegekräfte.
Von Montag bis Freitag verbrachte sie täglich mehrere Stunden an seinem Bett. Sie förderte ihn, half bei der Pflege und versuchte herauszufinden, was ihm guttat. Als sie starke Schmerzen bei ihm wahrnahm, drängte sie auf eine Untersuchung. Dabei wurde ein vollständig durchgebrochener Oberschenkel festgestellt und operiert.
Ihr Bruder reagierte auf ihre Stimme, ihre Berührungen und ihre Übungen oft besonders aufmerksam. Über Jahre entstand eine enge Verbindung, die ihr half, seine Bedürfnisse wahrzunehmen.
Während Zuständigkeiten wechselten und Einrichtungen kamen und gingen, blieb sie die konstante Person an seiner Seite. Nicht weil sie dafür ausgebildet war, sondern weil sonst vieles unerledigt geblieben wäre.
Das Pflaster



DIE WUNDEN HINTER DER GESCHICHTE
Man hatte ihn aufgegeben. Seine Schwester nicht.
Als ihr Bruder nach einem Ertrinkungsunfall mit schwerer Hirnschädigung auf der Intensivstation lag, hörte seine Schwester Sätze, die sie nie vergessen sollte.
Zum KampagnenberichtIn die Reha kommt man nur aufrechten Fußes
Während andere ihren Bruder bereits als Sterbenden betrachteten, suchte seine Schwester nach einer Klinik, die ihm noch eine Chance geben würde.
Zum KampagnenberichtAuf dem Papier versorgt, in der Realität ohne Platz
Kaum war eine Station geschafft, stand die Schwester vor der nächsten Frage: Wohin kann ihr Bruder jetzt?
Zum KampagnenberichtVier Stunden jeden Tag
Als niemand ihr sagen konnte, wie es weitergehen sollte, begann die Schwester selbst Antworten zu suchen.
Zum KampagnenberichtHeute hätte er dort keinen Platz mehr
Erst nach langen Kämpfen fand der Bruder einen Ort, an dem Förderung und Pflege zusammenkommen konnten.
Zum KampagnenberichtDreißig Jahre Selbsthilfe – und die Sorge wächst
Nach 24 Jahren Begleitung ihres Bruders und jahrzehntelanger Selbsthilfearbeit zieht die Schwester eine bittere Bilanz.
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