
Seit 2016 pflegt sie ihren Mann zu Hause. Er kann nicht sprechen und ist in vielen Bereichen auf Hilfe angewiesen. Waschen, Anziehen, Essen reichen, Medikamente organisieren, auf Veränderungen achten – der Tag richtet sich nicht nach Uhrzeiten, sondern nach seinem Bedarf. Selbst wenn er schläft, bleibt ein Teil von ihr wach. Sie beobachtet seine Mimik, seine Haltung und kleinste Reaktionen, weil Worte fehlen und sie oft nur erahnen kann, wie es ihm geht.
Die eigentliche Belastung endet nicht mit einer erledigten Aufgabe. Sie sitzt mit am Küchentisch, begleitet jede Nacht und jeden Termin. Schlechte Tage werfen neue Fragen auf: Ist es nur ein schlechter Tag oder der Beginn einer Verschlechterung? Aus Fürsorge wird dauerhafte Alarmbereitschaft.
Auf dem Papier gibt es Entlastungsangebote. In ihrem Alltag bleiben davon nach eigener Schilderung nur wenige Stunden Unterstützung im Monat. Zehn Stunden Entlastung stehen einer Versorgung gegenüber, die rund um die Uhr notwendig ist. Erst nachdem sie selbst einen Zusammenbruch erlitt, wurde die Tagesbetreuung ihres Mannes zu einer unverzichtbaren Stütze. Doch auch diese Zeit nutzt sie teilweise für Homeoffice-Arbeit, weil die finanzielle Situation es erforderlich macht.
Der Widerspruch begleitet jeden Tag: Die Verantwortung endet nie, die Entlastung dagegen nach wenigen Stunden. Zehn Jahre lang hat sie getragen, organisiert, beobachtet und entschieden. Nicht, weil es leicht war, sondern weil sie ihren Mann nicht allein lassen wollte. Der Preis dafür ist ein Alltag, in dem echte Pausen kaum vorkommen und Erschöpfung zum ständigen Begleiter geworden ist.
Das Pflaster



DIE WUNDEN HINTER DER GESCHICHTE
Zehn Jahre ohne Feierabend
Als ihr Mann nach sechs Monaten Wachkoma nach Hause zurückkehrte, begann für seine Frau ein Leben in ständiger Bereitschaft.
Zum Kampagnenbericht900 Euro für ein Leben voller Verantwortung
Mit der Erkrankung ihres Mannes verlor die Familie nicht nur Gesundheit und Alltag, sondern auch ihre wirtschaftliche Grundlage.
Zum KampagnenberichtIch war seine Frau. Heute bin ich vor allem die Pflegende.
Vor zehn Jahren verlor sie ihren Partner nicht durch den Tod. Sie verlor den gemeinsamen Alltag, den sie als Ehefrau mit ihm geführt hatte.
Zum KampagnenberichtZehn Stunden im Monat für ein Leben rund um die Uhr
Als die Belastung zu groß wurde und sie selbst zusammenbrach, zeigte sich, wie wenig Reserve in ihrem Alltag noch vorhanden war.
Zum Kampagnenbericht