
Seit dem Herzinfarkt lebt ihr Lebensgefährte in einem Zustand bewusstsloser Wachheit. Er kann sich nicht äußern, nicht erklären, was er empfindet, und nicht darauf aufmerksam machen, wenn etwas nicht stimmt. Genau deshalb achtet sie auf jede Veränderung.
Was sie besonders belastet, ist der Eindruck, dass sein Leiden viele Menschen nicht mehr erreicht. Sie beschreibt Situationen, in denen notwendige Aufmerksamkeit ausbleibt. Aus Zeitmangel, Personalmangel oder anderen Gründen werde vieles nicht getan. Ihr Lebensgefährte erscheine dann nicht mehr als Mensch mit individuellen Bedürfnissen, sondern wie jemand, der lediglich verwahrt werde.
Für sie ist das der zentrale Widerspruch ihres Alltags. Einerseits braucht er Menschen, die genau hinschauen. Andererseits erlebt sie immer wieder, dass genau diese Aufmerksamkeit fehlt. Weil er sich nicht äußern kann, wird jede versäumte Beobachtung für sie besonders schwer erträglich.
Deshalb fühlt sie sich gezwungen, ständig präsent zu sein. Nicht aus Misstrauen, sondern weil sie fürchtet, dass wichtige Bedürfnisse sonst übersehen werden. Die Verantwortung endet für sie nie.
Wenn sie seinen Zustand betrachtet, sieht sie nicht nur einen Pflegebedürftigen. Sie sieht den Menschen, mit dem sie ihr Leben geteilt hat. Und sie fragt sich, warum sein Leid so oft unbeachtet bleibt.
Das Pflaster



DIE WUNDEN HINTER DER GESCHICHTE
Eine Woche später atmete er wieder selbst
Nach dem Herzinfarkt ihres Lebensgefährten musste eine Angehörige nicht nur mit der Angst um sein Leben umgehen. Sie musste auch lernen, medizinische Prognosen zu hinterfragen, die ihr als nahezu sicher vermittelt wurden.
Zum KampagnenberichtUnbequem, weil sie ihn nicht aufgibt
Tag für Tag wacht eine Frau darüber, dass ihr Lebensgefährte nicht übersehen wird. Seit seinem Herzinfarkt kann er nicht selbst für sich sprechen. Also spricht sie für ihn.
Zum KampagnenberichtEr liegt da. Und niemand sieht sein Leid.
Die Frau beobachtet ihren Lebensgefährten jeden Tag. Sie sieht Anspannung, Unwohlsein und Momente, in denen sie den Eindruck hat, dass er leidet. Doch oft fühlt sie sich mit diesen Beobachtungen allein.
Zum KampagnenberichtMenschlichkeit darf kein Kostenfaktor sein
Neben der Sorge um ihren Lebensgefährten hat sich bei der Angehörigen noch etwas verändert: ihr Vertrauen in die Institutionen, von denen sie Unterstützung erwartet hatte.
Zum KampagnenberichtDort muss sie nichts erklären
Zwischen Pflege, Sorgen und ständiger Verantwortung fand die Angehörige einen Ort, an dem sie nicht rechtfertigen muss, warum sie erschöpft ist.
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