131 Euro Entlastung – und ein Berg von Hürden

BÜROKRATIE

Als pflegende Angehörige höre ich immer wieder, wie wichtig unsere Arbeit für die Gesellschaft sei und wie sehr die Politik uns unterstützen wolle. Schaut man jedoch auf die tatsächlichen Hilfen, bleibt von diesen Versprechen oft wenig übrig.

Ein Beispiel sind die Entlastungsleistungen in Höhe von 131 Euro monatlich. Bereits Menschen mit Pflegegrad 1 haben Anspruch darauf. Es handelt sich um die einzige direkte finanzielle Unterstützung für diesen Personenkreis, die ursprünglich dazu gedacht war, pflegende Angehörige wenigstens etwas zu entlasten.

Umso erschütternder finde ich die Diskussion, diese Leistung möglicherweise abzuschaffen. Schon heute ist es schwierig genug, geeignete Hilfen zu finden. Wer Unterstützung aus dem eigenen Bekanntenkreis organisieren möchte, stößt auf zahlreiche Vorgaben und Hürden. Dabei wäre genau diese Form der Hilfe oft die sinnvollste und menschlichste.

Viele Menschen wären froh, wenn sie einer Nachbarin, einer Freundin oder einem Bekannten für einige Stunden Unterstützung eine kleine Aufwandsentschädigung geben könnten. Stattdessen müssen komplizierte Voraussetzungen erfüllt werden, die längst nicht jeder Helfer bereit ist auf sich zu nehmen.

„Die Politik spricht von Entlastung – viele Angehörige erleben stattdessen Bürokratie und fehlende Angebote.“

Meine Erfahrung zeigt außerdem, dass die verfügbaren Angebote oft kaum zum tatsächlichen Bedarf passen. Pflegedienste rechnen teilweise Leistungen über die Entlastungsbeträge ab, verlangen jedoch Stundensätze, die den Betrag sehr schnell aufbrauchen. Bei meiner Mutter wurde beispielsweise ein zweiwöchentliches Fußbad angeboten – zu Kosten von 74 Euro pro Stunde.

Anbieter von Alltagshilfen, die nach §45b abrechnen möchten, müssen umfangreiche Qualifikationen nachweisen. Auch die eingesetzten Helfer benötigen entsprechende Schulungen. Das führt dazu, dass es vielerorts nur wenige zugelassene Angebote gibt und Betroffene oft lange suchen müssen, bevor sie überhaupt Unterstützung finden.

Selbst wenn passende Helfer verfügbar sind, reicht der Betrag von 131 Euro nur für wenige Stunden Unterstützung im Monat. Von einer spürbaren Entlastung kann deshalb kaum die Rede sein.

Statt darüber nachzudenken, diese Leistung abzuschaffen, sollte endlich ein Umdenken stattfinden. Die Mittel sollten unbürokratisch den Betroffenen zur Verfügung gestellt werden. Familien wissen selbst am besten, wer sie im Alltag unterstützt und wem sie dafür eine kleine Anerkennung geben möchten.

Die Realität pflegender Angehöriger braucht Vertrauen statt Misstrauen, Unterstützung statt Hürden und echte Entlastung statt gut klingender Versprechen.

„Pflegende Angehörige brauchen keine neuen Hürden. Sie brauchen Vertrauen, echte Unterstützung und spürbare Entlastung.“

REICHT NICHT.