Danke ist wichtig. Absicherung wäre wichtiger.
Am 8. September wird in Deutschland der Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Er erinnert an Millionen Menschen, ohne die unser Pflegesystem längst nicht mehr funktionieren würde.
Schätzungen gehen von rund 7,1 Millionen pflegenden Angehörigen aus. Sie helfen beim Waschen und Anziehen, organisieren Medikamente, Therapien und Hilfsmittel, führen Gespräche mit Pflegekassen und Behörden, begleiten Arztbesuche und sind oft rund um die Uhr erreichbar.
Viele von ihnen übernehmen diese Verantwortung über Jahre – zusätzlich zu Beruf, Familie und dem eigenen Alltag.

Der größte Pflegedienst Deutschlands arbeitet unbezahlt
Der überwiegende Teil der pflegebedürftigen Menschen wird zu Hause versorgt. Hinter dieser nüchternen Statistik stehen Ehepartnerinnen und Ehepartner, Kinder, Eltern, Geschwister, Freunde und andere nahestehende Menschen.
Ihre Arbeit spart dem Pflegesystem Milliarden. Für die Pflegenden selbst bedeutet sie jedoch häufig:
- weniger Einkommen durch reduzierte Arbeitszeit,
- Nachteile bei der eigenen Rente,
- körperliche und seelische Überlastung,
- kaum planbare Erholungszeiten,
- fehlende Kurzzeit-, Tages- oder Verhinderungspflege,
- einen täglichen Kampf mit Anträgen und Zuständigkeiten.
Zwar gibt es gesetzliche Möglichkeiten, sich für die Pflege zeitweise von der Arbeit freistellen zu lassen. Doch bei längeren Auszeiten fehlt weiterhin ein wirklicher Lohnersatz. Wer Verantwortung übernimmt, muss deshalb oft selbst für die finanziellen Folgen aufkommen.
Und jetzt soll ausgerechnet bei den Familien gespart werden?
Die Pflegeversicherung steht finanziell unter erheblichem Druck. In der politischen Reformdebatte werden deshalb auch Veränderungen diskutiert, die Leistungen einschränken oder den Zugang zu Unterstützung erschweren könnten.
Das wäre der falsche Weg.
Wer Entlastungsleistungen kürzt, Pflegebedürftige später unterstützt oder die soziale Absicherung der Pflegepersonen schwächt, spart nicht wirklich. Die Belastung wird lediglich weiter in die Familien verschoben – dorthin, wo sie schon heute kaum noch getragen werden kann.
Ein Dankeschön zum Aktionstag ist deshalb willkommen. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass pflegende Angehörige vor allem eines brauchen: verlässliche Rechte, verfügbare Unterstützung und eine finanzielle Absicherung, die diesen Namen verdient.
Pflege darf nicht arm und krank machen
Unsere Kampagne „Ein Pflaster reicht nicht.“ macht sichtbar, wo das Pflegesystem Menschen alleinlässt. Wir fordern unter anderem eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, einen echten Lohnersatz während längerer Pflegezeiten sowie verlässlich verfügbare Entlastungsangebote.
Auf dieser Seite finden Sie unsere Forderungen und Hintergründe zur Kampagne. Sie können uns außerdem Ihre eigene Geschichte erzählen: Wo fehlen Hilfen? Welche Anträge werden zur Belastungsprobe? Was bedeutet die Pflege für Ihre Gesundheit, Ihre Arbeit und Ihre finanzielle Situation?
Ihre Geschichte macht sichtbar, was Statistiken allein nicht zeigen. Machen Sie mit – denn Pflege braucht mehr als ein Pflaster.
