Ein Pflaster reicht nicht

Pflegejahre und trotzdem kaum abgesichert

Eine Frau verzichtet auf Karriere, erzieht Kinder und pflegt ihren schwer verletzten Ehemann über viele Jahre. Am Ende steht eine sehr geringe eigene Rente trotz jahrzehntelanger Verantwortung.

PRO-001 — Pflege macht arm PRO-002 — Angehörige kämpfen allein PRO-003 — Fehlende Entlastung PRO-009 — Lebensleistung nicht anerkannt
Pflegejahre und trotzdem kaum abgesichert
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Ein normales Hausfrauen-Dasein? Ist Altersarmut angemessen? Ich habe Ende der 1970-iger einen angesehenen Beruf erlernt. Bankkaufmann (-frau) mit guten Aussichten auf eine Laufbahn in gehobene Gehaltsklassen. Nach 5 Jahren entschied ich mich für die Erziehung unserer Kinder. Damals gab es noch keine umfassende (gibt es ja immer noch nicht überall!) Kinderbetreuung und es war auch nicht unbedingt in meinem Erziehungsmuster verankert, meine Kinder in fremde Hände zu geben. Hinzu kam, dass Banken in den 80-igern noch nicht digitalisiert waren und somit die händische Hauptarbeit am Vormittag stattfand. Daraus resultierte, dass es keine Teilzeitmöglichkeiten gab. Ich blieb also bei unseren 3 Kindern und arbeitete im Homeoffice für eine Spedition auf Minijob-Basis. Ende der 80-iger machte ich mich mit einem Kinderbekleidungsgeschäft selbstständig. Wie das so ist, war das Augenmerk nicht unbedingt auf die Rentenbeitragseinzahlung gerichtet. Wir hatten gebaut und jeder Pfennig zählte. Ende 1999 verunglückte dann mein Ehemann. 2 Jahre wanderte er durch Intensivstation, Pflegeheim und Rehakliniken. Ich wanderte mit. Morgens Einkäufe und das Geschäft, mittags die Kinder, nachmittags die Besuche bei meinem Mann (teilweise 50 km Entfernung), nachts die Buchhaltung und alles weitere. Das Ergebnis bei meinem Mann war der Zustand im minimalen Bewusstseinszustand, ein Pflegefall. Er konnte nicht essen, nicht laufen, nicht sprechen. Dennoch nahm er an unserem Leben teil, ich holte ihn 2001 zu uns nach Hause. Mit Unterstützung der BG war es möglich und im Laufe der Zeit konnte ich die Pflege mit Hilfe eines persönlichen Budgets und selbst organisiertem Personal abdecken. Man wächst an seinen Aufgaben, sagt man. Leider ist es jedoch schwer sich selbst zu entlasten, was in solchen Situationen äußerst wichtig wäre. Ein bewilligtes Budget zu erhöhen ist die schwerste Aufgabe überhaupt. Hier ein Auszug aus meinem Bemühen: „……Sehr geehrte Frau xxxxxxx, seit mehr als 15 Jahren habe ich mehr als 50 Stunden in der Woche die Pflege meines Mannes übernommen. Bei diesen Stunden handelt es sich um gleiche Tätigkeiten wie die, für die über das Budget Pflegeassistenten eingestellt wurden. Dadurch bin ich bei einer 24 –Stundenpflege ein großer Posten in der Dienstbesetzung. Darüber hinaus organisiere ich die Pflegeeinsätze und bin bei den meisten Dienstwechseln (2-3 tgl.) in der Übergabe der Ansprechpartner. Nicht zu vergessen die regelmäßigen Besprechungen mit den Therapeuten, die 7 – 8 mal pro Woche hier erscheinen und die gesundheitliche Betreuung durch Arztbesuche und Visitengespräche. Leider habe ich jetzt große Probleme mit meiner Wirbelsäule und möchte, auf Anraten meines Arztes (s.Attest), die Stunden der Pflege auf 30 Stunden/Woche reduzieren. Für eine weitere Assistenzkraft mit einem Umfang von 80 Std. pro Monat oder mehrere geringfügig beschäftigte Kräfte (2-3) müsste jedoch das Budget (ca. 1500,--€) erneut erhöht werden. Leider haben meine bisherigen Bemühungen um weiteres Personal noch keinen Erfolg gehabt und somit habe ich noch keine genauen Zahlen…..“ Mein Geschäft hatte ich nach 3 Jahren Doppelbelastung (??) aufgeben müssen. Ich war also froh, dass die Krankenkasse einen Rentenbeitrag für mich einzahlte und widmete mich bis zum Tode meines Mannes 2018 seiner Pflege. Die Witwen-Rente meines Mannes betrug nur noch ein Drittel seiner vorherigen Rente. Ich war inzwischen 62 Jahre alt. Die Aussicht, noch einen angemessenen rentenversicherungspflichtigen Beruf antreten zu können war gleich null. Die Pflegeerfahrung hätte nirgends Anerkennung gefunden. Meine Ausbildung als Bankkaufmann war schon lange nichts mehr wert. Also riet man mir vorzeitig in Rente zu gehen. Ich musste allerdings noch ein Jahr warten und erhielt dann 739€ (nach Abschlägen) für meine Lebensleistung. Wäre ich unverheiratet gewesen, wäre ich ein Fall von Altersarmut geworden, ohne jemals auf der faulen Haut gelegen zu haben.

„Ein bewilligtes Budget zu erhöhen ist die schwerste Aufgabe überhaupt.“

Hier ein Auszug aus meinem Bemühen: „……Sehr geehrte Frau xxxxxxx, seit mehr als 15 Jahren habe ich mehr als 50 Stunden in der Woche die Pflege meines Mannes übernommen. Bei diesen Stunden handelt es sich um gleiche Tätigkeiten wie die, für die über das Budget Pflegeassistenten eingestellt wurden. Dadurch bin ich bei einer 24 –Stundenpflege ein großer Posten in der Dienstbesetzung. Darüber hinaus organisiere ich die Pflegeeinsätze und bin bei den meisten Dienstwechseln (2-3 tgl.) in der Übergabe der Ansprechpartner. Nicht zu vergessen die regelmäßigen Besprechungen mit den Therapeuten, die 7 – 8 mal pro Woche hier erscheinen und die gesundheitliche Betreuung durch Arztbesuche und Visitengespräche. Leider habe ich jetzt große Probleme mit meiner Wirbelsäule und möchte, auf Anraten meines Arztes (s.Attest), die Stunden der Pflege auf 30 Stunden/Woche reduzieren. Für eine weitere Assistenzkraft mit einem Umfang von 80 Std. pro Monat oder mehrere geringfügig beschäftigte Kräfte (2-3) müsste jedoch das Budget (ca. 1500,--€) erneut erhöht werden. Leider haben meine bisherigen Bemühungen um weiteres Personal noch keinen Erfolg gehabt und somit habe ich noch keine genauen Zahlen…..“ Mein Geschäft hatte ich nach 3 Jahren Doppelbelastung (??) aufgeben müssen. Ich war also froh, dass die Krankenkasse einen Rentenbeitrag für mich einzahlte und widmete mich bis zum Tode meines Mannes 2018 seiner Pflege. Die Witwen-Rente meines Mannes betrug nur noch ein Drittel seiner vorherigen Rente. Ich war inzwischen 62 Jahre alt. Die Aussicht, noch einen angemessenen rentenversicherungspflichtigen Beruf antreten zu können war gleich null. Die Pflegeerfahrung hätte nirgends Anerkennung gefunden. Meine Ausbildung als Bankkaufmann war schon lange nichts mehr wert. Also riet man mir vorzeitig in Rente zu gehen. Ich musste allerdings noch ein Jahr warten und erhielt dann 739€ (nach Abschlägen) für meine Lebensleistung. Wäre ich unverheiratet gewesen, wäre ich ein Fall von Altersarmut geworden, ohne jemals auf der faulen Haut gelegen zu haben.

„Wäre ich unverheiratet gewesen, wäre ich ein Fall von Altersarmut geworden, ohne jemals auf der faulen Haut gelegen zu haben.“

Das Pflaster

REICHT NICHT. WIR PFLEGEN. 7/24 ZUHAUSE.

Die Wunden hinter der Geschichte

739 Euro für ein Leben voller Verantwortung

Als gelernte Bankkauffrau hatte sie Ende der 1970er-Jahre gute Aussichten auf eine sichere berufliche Zukunft. Doch zunächst entschied sie sich für die Erziehung ihrer drei Kinder, später stellte ein schwerer Schicksalsschlag ihr gesamtes Leben auf den Kopf.

Mehr als 50 Stunden Pflege – jede Woche

Als ihr Ehemann nach einem schweren Unfall zum Pflegefall wurde, änderte sich ihr Alltag vollständig. Aus einer Ehe wurde eine jahrelange Rund-um-die-Uhr-Verantwortung.

Entlastung beantragt. Entlastung nicht erreicht.

Jahrelang trug sie die Pflege ihres Mannes mit. Als ihr eigener Körper nicht mehr mitmachte, begann ein neuer Kampf: der Versuch, sich überhaupt entlasten zu dürfen.

Unsere Forderungen

FOR-001

Finanzielle Absicherung

FOR-002

Rentenansprüche stärken

FOR-003

Entlastung sichern

FOR-008

Angehörige anerkennen

Ein Pflaster reicht nicht