
Die Angehörige beschreibt eine Unterstützung, die in der Praxis deutlich kleiner ausfällt, als sie auf dem Papier wirkt. Zwar können Entlastungsleistungen genutzt werden, doch geeignete Hilfen sind nach ihrer Erfahrung schwer zu finden. Besonders Hauswirtschaft und alltagsnahe Unterstützung fehlen dort, wo sie dringend gebraucht würden.
Als sie nach konkreten Angeboten sucht, stößt sie auf hohe Kosten. Für ihre Mutter wurde beispielsweise ein regelmäßiges Fußbad angeboten. Abgerechnet wurden dafür nach ihrer Schilderung 74 Euro pro Stunde. Damit ist ein großer Teil der monatlichen Leistung schnell aufgebraucht. Aus Sicht der Angehörigen entsteht ein Widerspruch: Die Unterstützung existiert zwar, ihre tatsächliche Reichweite schrumpft jedoch durch die Preise der verfügbaren Angebote.
Hinzu kommen die Vorgaben für Anbieter von Alltagshilfen. Wer über die Entlastungsleistungen abrechnen möchte, muss umfangreiche Voraussetzungen erfüllen. Auch die eingesetzten Helfer benötigen entsprechende Qualifikationen. Für die Angehörige führt genau dieses Verfahren dazu, dass weniger Angebote verfügbar sind und Hilfe dann fehlt, wenn sie gebraucht wird.
Die eigentliche Ungerechtigkeit liegt für sie darin, dass eine Leistung zur Entlastung geschaffen wurde, viele Familien aber nur einen Bruchteil der erhofften Unterstützung erhalten. Nicht weil Hilfe grundsätzlich unmöglich wäre, sondern weil Vorgaben, Kosten und Verfügbarkeit die Nutzung einschränken.
Statt mehr Freiraum erlebt sie ein System, in dem aus 131 Euro oft nur wenige Stunden Unterstützung werden. Die versprochene Entlastung schrumpft auf ein Minimum zusammen, während die Verantwortung weiterhin bei den Angehörigen bleibt.
Das Pflaster


DIE WUNDEN HINTER DER GESCHICHTE
131 Euro auf dem Papier – kaum Entlastung im Alltag
Während sie sich um ihre Mutter kümmert, blickt eine pflegende Angehörige auf eine Leistung, die eigentlich entlasten soll. 131 Euro im Monat stehen zur Verfügung. Doch im Alltag reichen sie oft nicht weit.
Zum KampagnenberichtErst zu wenig Hilfe – dann soll sie auch noch verschwinden
Für viele Menschen mit Pflegegrad 1 ist die Entlastungsleistung die einzige finanzielle Unterstützung, die ausdrücklich auch Angehörige entlasten soll. Umso größer ist das Unverständnis über die Debatte, diese Leistung infrage zu stellen.
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