Liebe pflegende Angehörige,
Ich habe lange überlegt, ob ich diese Kampagne überhaupt starten soll.
Denn ich wusste, worauf ich mich einlasse.
Ich wusste, dass ich Geschichten lesen würde, die manchmal kaum auszuhalten sind. Geschichten von Menschen, die seit Jahren Tag und Nacht pflegen. Von Familien, die kämpfen, obwohl ihnen längst die Kraft ausgeht. Von Angehörigen, die sich von Politik und Gesellschaft oft alleingelassen fühlen.
Und heute weiß ich: Wenn wir diese Geschichten nicht erzählen, wird sich nichts verändern.
Seit mehr als dreißig Jahren begleiten mich Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und ihre Familien. Ich durfte erleben, wie viel Liebe, Mut und Ausdauer in pflegenden Angehörigen steckt. Aber ich habe auch gesehen, wie häufig sie an einem System scheitern, das ihre Leistung als selbstverständlich hinnimmt.
Warum verändert sich so wenig?
Die Antwort ist erschreckend einfach: Weil die meisten dieser Geschichten niemals öffentlich werden.
Sie bleiben hinter Wohnungstüren. Sie verschwinden mit den Menschen, die sie erlebt haben.
Genau das möchte ich ändern.
Deshalb ist „Ein Pflaster reicht nicht.“ entstanden.
Nicht als Protest gegen einzelne Menschen. Sondern als gemeinsame Stimme derjenigen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen.
Ich bin überzeugt:
Deshalb möchte ich Sie einladen.
Erzählen Sie Ihre Geschichte.
Nicht für mich.
Nicht für unseren Verein.
Sondern für alle Angehörigen, die heute dieselben Sorgen haben wie Sie oder morgen haben werden.

Karl-Eugen Siegel
Jede veröffentlichte Geschichte macht sichtbar, was sonst oft hinter verschlossenen Türen bleibt. Gemeinsam entstehen daraus Erfahrungen, Erkenntnisse und politische Forderungen.
Jede Geschichte für sich bewegt.
Viele Geschichten gemeinsam
können etwas verändern.
Vielleicht ist Ihre Geschichte der Anfang dafür, dass sich etwas verändert – für andere Betroffene, für Angehörige und für die politische Wahrnehmung häuslicher Pflege.
Ich freue mich, wenn Sie Teil dieser Kampagne werden.
Vielen Dank für Ihr Vertrauen und den Mut, Ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Jede Geschichte hilft dabei, das Unsichtbare sichtbar zu machen.
Herzlich
Karl-Eugen Siegel
SHV-FORUM GEHIRN e.V.
Landesverband Baden-Württemberg
„Politik wird erst dann handeln, wenn sichtbar wird, dass hinter jeder Statistik viele Menschen stehen. Hinter jeder Pflegeleistung eine Familie. Hinter jeder Zahl ein Leben.“
Jede Geschichte macht sichtbar, was Politik und Gesellschaft zu lange übersehen haben.
