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PFLEGEPOLITIK

204 Kilometer für die Pflege –
dieser Protest geht uns alle an

Pflegebeschäftigte bringen ein Pflegebett bis zum Bundestag. Ihr Protest betrifft nicht nur die berufliche Pflege, sondern ebenso Pflegebedürftige und pflegende Angehörige.

Seit dem 30. August schieben Beschäftigte aus der Altenpflege ein Pflegebett von Magdeburg nach Berlin. 204 Kilometer zu Fuß. Am 7. September um 16 Uhr soll das Bett vor dem Reichstagsgebäude ankommen. Dort wollen die Beteiligten ihre Forderungen an Abgeordnete des Deutschen Bundestages übergeben.

Das Pflegebett ist dabei weit mehr als ein ungewöhnliches Protestmittel. Es steht für die Menschen, um die es geht – und die in der politischen Debatte viel zu oft nur noch als Kostenfaktor erscheinen.

Die Beschäftigten wenden sich gegen drohende Verschlechterungen durch den Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz. Kritisiert werden insbesondere die vorgesehene zeitweise Aussetzung der Tariflohnpflicht, die aus Sicht von ver.di unzureichende Refinanzierung von Lohnerhöhungen und Kürzungen bei den Zuschüssen für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen.

Zwei Pflegebeschäftigte schieben ein Pflegebett auf einer langen Straße in Richtung Bundestag. Eine pflegende Angehörige und ein pflegebedürftiger Mensch stehen für die gemeinsame Betroffenheit.
204 Kilometer für die Pflege: Der Protest der Beschäftigten betrifft Pflegebedürftige und pflegende Angehörige gleichermaßen.

 

Pflege ist unteilbar

Als Kampagne „Ein Pflaster reicht nicht.“ erklären wir uns mit diesem Protest solidarisch.

Denn beruflich Pflegende, pflegende Angehörige und pflegebedürftige Menschen stehen nicht auf verschiedenen Seiten. Sie tragen gemeinsam ein Pflegesystem, das seit Jahren von ihrer Belastbarkeit, ihrem Pflichtgefühl und ihrer Bereitschaft lebt, immer noch eine weitere Lücke zu schließen.

Fehlen Pflegekräfte, werden Angehörige stärker belastet. Brechen Angehörige unter der Belastung zusammen, steigt der Bedarf an professioneller Versorgung. Können Einrichtungen höhere Löhne nicht ausreichend refinanzieren, droht sich der Personalmangel weiter zu verschärfen. Werden Leistungen für Pflegebedürftige gekürzt, müssen Familien die Folgen finanziell und praktisch auffangen.

Beruflich oder angehörig: Wir tragen dasselbe Pflegesystem.

Deshalb darf es keinen Wettbewerb darum geben, wer mehr leistet oder wer zuerst entlastet werden muss. Gute Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne für beruflich Pflegende sind ebenso notwendig wie eine verlässliche soziale Absicherung, echte Entlastung und verbindliche Rechte für pflegende Angehörige.

Wer an der Pflege spart, verlagert die Kosten

Kürzungen lösen kein Problem. Sie verschieben es lediglich.

Was die Pflegeversicherung heute nicht bezahlt, landet morgen bei den Pflegebedürftigen, ihren Familien, den Kommunen, den Sozialhilfeträgern oder erneut im Gesundheitssystem. Und häufig entstehen dabei zusätzliche Kosten: durch Überlastung, Erkrankungen, vermeidbare Krankenhauseinweisungen, Berufsaufgabe und den vollständigen Zusammenbruch häuslicher Versorgung.

Pflegebedürftige Menschen können nicht warten, bis sich Haushaltslagen verbessern. Pflegekräfte können ihre eigene Gesundheit nicht dauerhaft als stille Reserve des Systems einsetzen. Und pflegende Angehörige können nicht immer noch mehr Aufgaben übernehmen, nur weil der Staat eine weitere Leistung kürzt oder nicht ausreichend finanziert.

Deshalb reicht ein Pflaster nicht

Das Pflegebett, das jetzt nach Berlin geschoben wird, gehört deshalb symbolisch uns allen:

den Beschäftigten in Pflegeheimen und ambulanten Diensten, den pflegenden Angehörigen, den Menschen mit Behinderungen und schweren Erkrankungen, den Pflegebedürftigen und allen, die selbst einmal auf Unterstützung angewiesen sein werden.

204 Kilometer machen sichtbar, wie weit Pflegende inzwischen gehen müssen, um überhaupt gehört zu werden.

Unsere Botschaft an die Politik lautet:

Spielt beruflich Pflegende, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige nicht gegeneinander aus. Eine tragfähige Pflegepolitik muss alle drei gemeinsam schützen.

Wir unterstützen den Protestmarsch nach Berlin. Denn wer für gute Pflege kämpft, kämpft nicht für eine einzelne Berufsgruppe. Er kämpft für Menschenwürde, soziale Sicherheit und eine Gesellschaft, die ihre Verantwortung nicht auf diejenigen abschiebt, die ohnehin schon am meisten tragen.

Pflege braucht keine weiteren Pflaster.

Ein Pflaster reicht nicht.

Pflege braucht eine verlässliche, solidarische und dauerhaft finanzierte Grundlage.

 

 

Quellen und Einordnung

ver.di, 26. August 2026: „Von Magdeburg nach Berlin: 204 km für gute Pflege“. Primärquelle für Anlass, Strecke, Beteiligte, Termin und Forderungen. ver.di-Pressemitteilung zum Pflegebettmarsch

Bundesministerium für Gesundheit: FAQ zum Pflegeneuordnungsgesetz. Das BMG bestätigt, dass die Regelungen zur tariflichen Entlohnung für vier Jahre ausgesetzt werden sollen, und erläutert zugleich die Position der Bundesregierung zu Finanzierung und Leistungszuschlägen. BMG-FAQ zum Pflegeneuordnungsgesetz